Psychologische Tests - Hintergrundwissen

Psychologische Tests

Psychologische Tests dienen als Messverfahren der psychologischen Diagnostik. Sie wurden entwickelt, um Teilbereiche des menschlichen Erlebens und Verhaltens erfassen zu können. Eingesetzt wurden sie ursprünglich vor allem in klinischen und therapeutischen / beratenden Bereichen. So misst beispielsweise die deutsche Version der Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS-D) über eine Selbstbeurteilung der Probanden deren Angst und Depressivität auf einer festgelegten Skala. Der Messwert wird durch eine einfache Addition der im Fragebogen erzielten Punkte ermittelt. Wie bei den meisten psychologischen Tests werden dem Probanden auch in dieser Variante eine Reihe von Aussagen (Items) vorgelegt, die er auf einer Skala bewerten soll. Diese kann beispielsweise von „trifft vollkommen zu“ bis „trifft überhaupt nicht zu“ reichen, dazwischen befinden sich Ziffern, die die jeweilige Intensität der Zustimmung ausdrücken. Den Items zugeordnet sind Zahlenwerte; deren Summe ergibt den Wert, der mit den zuvor gemessenen Rohwerten einer größeren Gruppe verglichen wird. Es kann also gemessen werden, in welchen Bereichen der Proband von den Durchschnittswerten abweicht. Neben solchen interindividuellen Tests können auch intraindividuelle Tests durchgeführt werden. Das bedeutet, die Messwerte werden nicht mit den Durchschnittswerten anderer Personen verglichen, sondern chronologisch. So kann beispielsweise gemessen werden, ob eine Therapie am Verhalten und/oder Erleben einer Person tatsächlich etwas verändert hat.

Unterschiede und Voraussetzungen für die Gültigkeit der Tests

Psychologische Tests sollen Aufschluss über Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften geben und müssen immer im Hinblick auf konkrete Aussagen und Fragestellungen hin konzipiert sein. Das heißt, bevor der Test erstellt wird, muss eingegrenzt werden, was genau untersucht werden soll. Das Verfahren selbst muss dann weitgehend standardisiert werden.
"Die Aufgaben und Anforderungen müssen für alle Probanden gleich sein, die Durchführung unter vergleichbaren Umständen erfolgen. Die Auswertung muss zu quantifizierbaren oder klassifizierbaren Ergebnissen führen."
Quantifizierbar bedeutet, dass bestimmte Zahlenwerte erreicht werden. Klassifizierbar bedeutet, dass beispielsweise aus der Beschreibung und dem Zusammenspiel von Symptomen Rückschlüsse über das Vorliegen einer bestimmten Erkrankung getroffen werden können. Abweichend hiervon sind die sogenannten projektiven Tests und die Deutungstests. Bei projektiven Tests werden die Probanden zu bestimmten Reaktionen provoziert, ihr offensichtliches Verhalten bildet dann die Grundlage für Rückschlüsse auf ihre nicht sichtbaren Motive, Gefühle und Einstellungen. Bei Deutungstests werden den Probanden zumeist grafische Vorlagen gegeben, die sie beschreiben sollen. Ihre Interpretationen werden ausgewertet. Zu den bekanntesten Deutungstests gehört der Rorschachtest.

Testfaktoren und -einsatzgebiete

Zahlreichen Persönlichkeitstests, die ebenfalls zu den psychologischen Tests gezählt werden, liegt gegenwärtig das sogenannte Fünf-Faktoren-Modell zugrunde, das wir eingangs bereits als OCEAN-Modell erwähnten. So beispielsweise das Hamburger Persönlichkeitsinventar (HPI), das allerdings um einen sechsten Faktor, nämlich die Wettbewerbsbereitschaft, ergänzt wurde. Mit den Aussagen, die psychologische Tests ermöglichen, sollen bestimmte Prognosen vorgenommen oder auch Risiken erfasst werden. So existieren beispielsweise Tests, mit denen Eltern die Entwicklung ihres Kindes beurteilen können. Im beruflichen Bereich werden vor allem Persönlichkeitstests eingesetzt, die die Qualifikation eines Bewerbers im Hinblick auf die zu erwartenden Leistungen und Kompetenzen messen sollen. Im klinischen Bereich werden Krankheiten und Störungen, Risikogruppen und Krankheits- bzw. Heilungsverläufe erfasst.

"Grundsätzlich sollten psychologische Tests nur von geschulten Personen durchgeführt werden, da Fehler in der Anwendung auch zu einer Verfälschung der Testergebnisse führen."
Wer sich selbst oder andere ohne Anleitung oder Hilfe durch erfahrene Fachleute testen möchte, sollte zudem beachten, dass auf dem freien Markt eine Vielzahl von psychologischen Tests erworben werden können, die den strengen Anforderungen an Objektivität, Reliabilität und Validität wissenschaftlicher Messverfahren kaum gerecht werden. Oder anders ausgedrückt: Vorsicht vor Psychotests, die von Scharlatanen erstellt wurden!