Persönlichkeitstest - Grundlegende Informationen

Grundlagen eines Persönlichkeitstest

Persönlichkeitstests sind Instrumente der Psychologie, mit denen bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen von Testpersonen erfasst werden. Man unterscheidet zwischen allgemeinen Persönlichkeitstests („Psychotests“) und berufsbezogenen Tests, die etwas über die Eignung eines Bewerbers im Hinblick auf eine vakante Stelle aussagen sollen. Allgemeine Tests können im privaten Bereich als Mittel der Selbstreflexion genutzt werden. Berufsbezogene Tests werden im Rahmen von Bewerbungsverfahren und speziell in Assessment-Centern eingesetzt.

Vom Bogenschießen zur Militärakademie

Die Idee, insbesondere angehende Führungskräfte einer gründlichen Eignungsprüfung zu unterziehen, ist keine Erfindung der Moderne; schon im alten Asien wurden potenzielle Bewerber diversen Prüfungen unterzogen. Im Unterschied zu den gegenwärtigen Persönlichkeitstests waren diese allerdings weniger direkt auf die Motivation und psychische Eignung des Bewerbers ausgerichtet. Geprüft wurden praktische Fertigkeiten wie zum Beispiel die Kunst des Bogenschießens oder Fertigkeiten im Schreiben und Rechnen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in den USA und in Großbritannien intensiv nach Möglichkeiten gesucht, die Eignung von Soldaten und Offiziersanwärtern empirisch zu überprüfen. Aus der militärischen Forschung ging schließlich auch die zivile Nutzung der ersten Persönlichkeitstests hervor, auf die auch Forschungen aus der Psychopathologie Einfluss nahmen.

Grundlagen und Verfahren

C G Jung
C. G. Jung
Den Tests liegen bestimmte psychologische Modelle und Theorien zugrunde. So existieren beispielsweise Persönlichkeitstest, die nach psychoanalytischen Modellen C. G. Jungs oder auch der Typenlehre Fritz Riemanns konzipiert wurden. Bereits im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts setzte sich im englischsprachigen Raum ein Verfahren durch, das als OCEAN-Modell bezeichnet wird. Dabei stehen die Anfangsbuchstaben für die Begriffe Openess (Offenheit), Consciousness (Gewissenhaftigkeit), Extraversion (Verhalten in Gesellschaft), Agreeableness (Umgänglichkeit) und Neurotizismus (psychische Störungsanfälligkeit). Dieser sogenannte „Big-Five-Test“ besteht aus insgesamt 48 Fragen, die auf einer fünfstufigen Skala beantwortet werden. 1992 wurde dieses Prinzip, fünf Dimensionen der Persönlichkeit zu testen, von den Autoren Costa und McCrae wieder aufgenommen, die den NEO-FFI-Persönlichkeitstest entwickelten. Für den deutschsprachigen Raum wird als berufsbezogener Persönlichkeitstest das „Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung“ (BIP) von Wissenschaftlern empfohlen. Dieser wurde in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum von den Forschern Rüdiger Hossiep und Michael Paschen 1998 erstmalig veröffentlicht und 2003 überarbeitet.

Kriterien, die der Persönlichkeitstest erfüllen sollte

Wie auch andere Persönlichkeitstests soll das BIP das Selbstbild eines Bewerbers überprüfen. Hierfür werden ihm eine Reihe von Aussagen vorgelegt, die er auf einer mehrstufigen Skala von „trifft überhaupt nicht zu“ bis „trifft zu“ beantworten soll. Damit es sinnvoll ist, einen solch aufwendigen Test beispielsweise als Eignungsprüfung einzusetzen, muss vorab genau festgelegt werden, was überhaupt abgefragt werden soll. Welche Eigenschaften muss ein Bewerber mitbringen, um im Hinblick auf eine Vakanz als geeignet zu erscheinen? Erst wenn diese Eigenschaften und Verhaltensweisen definiert wurden, lassen sich entsprechende Testfragen erstellen bzw. aus den vorhandenen Tests die passenden auswählen. Die Tests selbst müssen zudem bestimmte Kriterien erfüllen, damit sie als hinlänglich aussagekräftig gelten. Konkret heißt das, die Tests müssen objektiv sein und auf transparente Weise zu überprüfbaren und zuverlässigen Ergebnissen gelangen. Im Hinblick auf das Testergebnis werden typologisierende und multidimensionale Verfahren unterschieden. Im Hinblick auf die Art der Durchführung unterscheidet man projektive und psychometrische Tests. Nutzen Sie auch unsere Checkliste zur Auswahl des passenden Persönlichkeitstests.

Allgemeine Persönlichkeitstests

Jenseits von berufsbezogenen Tests existiert eine große Bandbreite an Persönlichkeitstests, mit denen die Testpersonen beispielsweise etwas über ihre Liebesfähigkeit, ihre Chancen, glücklich zu werden, ihre persönlichen Schwächen und Stärken herausfinden sollen. Gerade in diesem Marktsegment ist die Unterscheidung zwischen seriösen Tests und Verfahren von zweifelhafter Aussagekraft besonders schwierig. Häufig werden im Internet zunächst kostenlose Tests angeboten, denen dann je nach Testergebnis werbende Angebote folgen; auf manchen Webseiten wird nicht deutlich, dass zwar die Testdurchführung kostenfrei ist, nicht aber die Zustellung des Testergebnisses.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass menschliche Eigenschaften nur sehr schwer messbar und die Ergebnisse und Verfahren nur in geringem Maß standardisierbar sind. Die Testergebnisse sollten daher in der Regel nur als Grundlage für ein anschließendes Gespräch/Feedback dienen. Die Kosten für einen berufsbezogenen Persönlichkeitstest liegen bei 50,- bis 150,- Euro pro Testperson.